Notre musique (Unsere Musik)

Notre musique (Unsere Musik) (2004)

Regie, Drehbuch: Jean-Luc Godard; Kamera: Julien Hirsch; Darsteller: Sarah Adler, Nade Dieu, Rony Kramer, Jean-Luc Godard. 35mm, Farbe und s/w, 80 min

Zum Auftakt:
Dans le noir du temps (In der Schwärze der Zeit) (2002) von Jean-Luc Godard; Drehbuch: Anne-Marie Miéville; Kamera: Julien Hirsch. 35mm, Farbe, 11 min

Warum die Revolutionen nicht von den Menschlichen begonnen werden, wird Godard in Notre musique gefragt. Die Menschlichen beginnen andere Dinge: Sie gründen Bibliotheken. Und Friedhöfe, fügt ein Beisitzer an. So beginnt auch der dreiteilige Film, mit einer Montage der "Hölle", einer Vision des totalen Kriegs aus Filmmaterial des 20. Jahrhunderts: Bibliothek und Friedhof zugleich. Am Ende das "Paradies" wie ein Club-Med-Idyll, bewacht von US-Marines. Dazwischen das "Fegefeuer" des Nachkriegs-Sarajewo, wo sich Godard und andere Denker zum Symposium treffen. Er selbst trägt sein dialektisches Weltmodell vor – Schuss/Gegenschuss. Und dies ist auch die Struktur des Panoramas rundherum: Dokument/Fiktion, Mann/Frau, Israel/Palästina. Eine Elegie auf das 20. Jahrhundert, aufs Kino, auf Godard selbst. Als Zentralmetapher der Wiederaufbau der Mostar-Brücke: gemeinsam mit der Jugend Hoffnungsschimmer für einen Skeptiker. Eine Hoffnung, die auch in Dans le noir du temps aufblitzt. (C.H.)