Der blaue Engel

Der blaue Engel (1930)

Regie: Josef von Sternberg; Drehbuch: Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller, Heinrich Mann und Robert Liebmann nach Professor Unrat von Heinrich Mann; Kamera: Günther Rittau, Hans Schneeberger; Musik: Friedrich Hollaender; Darsteller: Marlene Dietrich, Emil Jannings, Kurt Gerron, Hans Albers. s/w, 108 min. Dt. OF
 
Im Blauen Engel habe er die Erforschung des Tonfilms fortgesetzt, verkündet Sternberg. Die Erfahrungen Hollywoods, angewendet auf das deutsche Kino, das die expressionistische Verrenkung noch kaum verwunden hat. Der blaue Engel: ein deutscher Fall, deutscher Alptraum oder eine Kunstfigur über beides, so als würde sich ein Gemälde von George Grosz oder Otto Dix mit sanfter, getragener Grausamkeit in einen jener forciert künstlichen Filme Sternbergs verwandeln, die sich dem Rausch der Langsamkeit hingeben und den Ellen der Moral entziehen. Der Niedergang des germanischen Spießers (Tyrann, Bildungsbürger, Ordnungsfetischist und Professor in einer beleibt paranoiden Person); abgehandelt im schmuddeligen Paradies des Kabaretts, exekutiert durch eine pure Sternberg-Erfindung namens Marlene D. und vorgetragen in einem karikierenden, ungerührten Filmstil, der dennoch Mitleid und Schrecken zu entfachen weiß. (H.T.)