This is not America – Austrian Drifters

Kiss Daddy Good Night, 1987, Peter Ily Huemer
7. Dezember 2017 bis 3. Jänner 2018


Suchbewegungen zwischen Film und Pop, 1976–2014

Wien 1976: Die Arena wird von jungen Menschen besetzt, die ein autonomes Kulturzentrum fordern. Das Ereignis wird auch gefilmt, u. a. von der Videogruppe Arena und Fritz Köberl. Das Ineinander von Filmemachen, Popkultur und politischer Haltung findet hier, für Österreich gesprochen, einen entscheidenden Impuls, dem "This is not America – Austrian Drifters" nachgehen möchte. Die Figur des Drifters ist dabei konstitutiv: für die Figuren und formalen Zugänge wie für die Zusammenstellung selbst. Sie versucht nicht, die Pop-Film-Beziehungsgeschichte lückenlos nachzuvollziehen, sondern wirft schlaglichtartig und facettenreich einzelne Blicke, hier und da, driftend durch die letzten vierzig Jahre.

Wer die Bezüge zwischen Film und Pop zu studieren beginnt, landet rasch in einem bodenlosen Unterfangen. Denn Film war schon immer – auch – Teil der Popkultur. So ist das Programm eine Suche nach Schnittstellen, entlang derer sich die Wechselbeziehungen von Pop und Film aufächern lassen. Was wird sichtbar von Popkultur in Filmen – sei es in dokumentarischen Zugängen oder fiktionalen Formen? Was ist grundlegend filmisch an Pop, was daran findet im Film ein verwandtes Medium? Auf welche Weisen wirkt Popkultur ansteckend?

Sichtbar kann etwa werden, wie stark das "coole Wissen" um die Codes und Zeichen – wie man spricht, sich bewegt, gestikuliert – die Menschen vor der Kamera durchdringt. In Spurenelementen findet sich dies etwa in John Cooks Langsamer Sommer (1974–76), wo zwei Männer einen Sommer lang abhängen und einen Lebens- und Kleidungsstil pflegen, den fast nur sie und vereinzelte Freunde lesen können. Sechs Jahre später findet sich im Café Malaria des gleichnamigen Films von Niki List bereits eine Schar junger Popper zusammen, um sich, ihre Lässigkeit und das schöne Leben in knalliger Überdrehtheit zu feiern. Und wieder 16 Jahre später heißt Pop in Wien vor allem Techno, so scheint es in Slidin' - Alles bunt und wunderbar, aber die Euphorie für Identitätsspiele sind verblasst wie die Neonfarben der Clubs und der Klamotten. Es ist immer die Zeichenhaftigkeit der realen Welt, die sich im Sichtbaren artikuliert: Der Film kann sie aufzeichnen und lesbar machen.

In Form einer großen Abwesenheit ist dabei immer auch eines anwesend: Amerika, seine Figuren, seine Coolness, seine Mythen. Buchstäblich dieser Sehnsucht nachgegangen ist Peter Ily Huemer. Sein Musikvideo All Shook Up (1986) wie auch sein Langfilm Kiss Daddy Good Night (1987) stehen für ein Schaffen, das lange Zeit in – und nah an – Amerika und immer auch im Dialog mit der Musik stattfand. Das rund um die Kalkito-Clips (2014) von Dietmar Brehm formierte Kurzfilmprogramm geht der Überlagerung von Film- und Pop-Ästhetiken nach und führt vor Augen, wie die vermeintlich konträren ästhetischen Konzepte der filmischen Avantgarde und der Popkultur in eine Umarmung münden können.

Lässt man sich auf die schlingernde, ziellose Bewegung von "This is not America – Austrian Drifters" ein, wird man auch einer Reihe von Orten begegnen, an denen Pop in Österreich in besonderem Maße gelebt und weitergedacht wurde. In Egon Humers The Bands (1993) oder Wolfgang Strobls Eiszeit (1983) begegnet man Clubs wie dem U4, der Arena, dem Flex in Wien oder der Stadtwerkstatt in Linz: Kulminationsorten, an denen der dem Pop eigene Individualitätsdrang etwas Gemeinschaftliches (und damit potenziell Politisches) erzeugte. Zugleich aber wird man sich durchgehend an einem anderen zentralen Ort der Popkultur in Österreich befinden: im Kino.

Die Schau war ein Projekt des Filmmuseums im Rahmen der Reihe "1000 Takte Film" der Diagonale 2017 und wurde von Alejandro Bachmann in Zusammenarbeit mit Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber kuratiert. Die Präsentation in Wien, zu der zahlreiche Gäste (Michael Pilz, Wolfgang Kos, Walter Gröbchen, Peter Ily Huemer, Wolfgang Strobl, Franz Reisecker, Christian Fuchs, Christof Kurzmann, Doris Knecht, Reinhard Jud, Karin Fisslthaler, Dietmar Brehm, Billy Roisz) erwartet werden, ist eine Kooperation mit dem Wien Museum, wo bis 25. März die Ausstellung "Ganz Wien. Eine Pop-Tour" zu sehen ist.
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