1964 | 2014

Projekte zum 50-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Filmmuseums
Ryan's Daughter

Ryan’s Daughter (1970)

Regie: David Lean; Drehbuch: Robert Bolt; Kamera: Frederick A. Young; Musik: Maurice Jarre; Darsteller: Sarah Miles, Robert Mitchum, Trevor Howard, Christopher Jones, John Mills. Farbe, 202 min [10 min Pause]
 

Von allen internationalen Epen David Leans ist Ryan’s Daughter das am meisten unterschätzte. Seinerzeit als überlange, überladene ­irische Madame Bovary-Version kritisiert, behauptet sich die Geschichte der unglücklich verheirateten Irin und ihrer Liebe zu einem jungen britischen Besatzungssoldaten im Jahr 1916 als eigen­willige Variation des klassischen Lean-Themas: die unbeirrbare Kraft der Emotion, die sich gegen die dünne Schutzschicht aus ­Sitte und Konvention durchzusetzen weiß. Das scheinbar regel­getreue Melodram steckt voller formaler Kühnheiten: Am überrumpelndsten ist die Szene, in der der betrogene Ehemann die Untreue seiner Frau aus Spuren im Sandstrand rekonstruiert und David Lean ­dieses innere Geschehen wie selbstverständlich als Schein-Realität inszeniert, ohne den Traumcharakter des Vorgangs auszuschildern. (H.L.)