Palermo oder Wolfsburg

Palermo oder Wolfsburg (1980)

Regie: Werner Schroeter; Drehbuch: Schroeter, Giuseppe Fava; Kamera: Thomas Mauch; Musik: Alban Berg; Darsteller: Nicola Zarbo, Otto Sander, Ida Di Benedetto, Magdalena Montezuma, Ula Stöckl, Harry Baer. 35mm, Farbe, 177 min

Die Passion eines sizilianischen Fremdarbeiters in der Kälte des reichen, deutschen Nordens. Werner Schroeter wendet in Palermo oder Wolfsburg die Formen seiner frühen Filme auf das klassische Erzählkino an. Das groteske Zitat wird zu wildem Ernst, die höhnische Film-Oper avanciert zum ausholenden Drei-Stunden-Melodram um Einsamkeit, Entfremdung und Mord. In der nahezu neorealistischen Italien-Exposition erscheint Deutschland wie ein Traum vom würdigen Leben. Der weitere Filmverlauf wird diesen Traum nachhaltig zerstören. Das Leben im Armenhaus Sizilien ist prall, tragisch und erfüllt von Musik; jenes in der Industrie-Metropole Wolfsburg steril, sauber und beherrscht von forcierter Herzlosigkeit. Schroeters Lust am theatralischen Abgrund und am Spiel der Stilisierung ist keineswegs erloschen – aber nunmehr gepaart mit Anteilnahme und der Einsicht, dass das klinisch Absurde in der deutschen Wirklichkeit gar nicht erst erfunden werden muss, da es überall vorfindbar ist. (H.T.)

Spieltermine:

Mo 23.01.2017 20:00
(Dt./Ital. OmdU)