Il Capitano

Regie, Kamera, Schnitt: Jan Troell; Drehbuch: Jan Troell, Göran Setterberg, Per Olov Enquist; Musik: Lars Åkerlund, Sebastian Öberg; Darsteller: Maria Heiskanen, Antti Reini, Berto Marklund, Matti Dahlberg. SE/FI, 1991. DCP (von 35mm), Farbe, 109 min. Schwedisch und Finnisch mit engl. UT
 
Im schwedischen Åmsele kam es 1988 zu einem Dreifachmord an einer Familie, der zu einer internationalen Fahndung und einem aufsehenerregenden Prozess führte, bei dem sich die Täter – ein 23-jähriger Finne und seine 20-jährige Freundin – gegenseitig beschuldigten. Jan Troells kurz darauf entstandene Verfilmung des Falls war umstritten, noch bevor sie in Produktion ging und spaltete die Kritik, wiewohl sie ihm den Regiepreis in Berlin eintrug (in einer bemerkenswerten Schlüsselszene wird übrigens der Mörder bei der Rekonstruktion der Tat quasi zum Regisseur). Den häufigen Vorwurf von spekulativem Sensationalismus entkräftet dabei schon der nüchterne Zugang: Als jeglicher Romantik entkleidete Bonnie & Clyde-Variation ist Il Capitano inhaltlich nahe am Klassiker Badlands, aber mit seiner bevorzugten Erzählform – ein elliptisches, zugleich pointiertes Mosaik von starken Eindrücken – gelingt Troell eine unheimliche Studie der Faszination von Nihilismus und Pathologie. Die ziellose Reisebewegung des Mörderpärchens entpuppt sich als freier Fall ins Nichts. (C.H.)

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