
Lolita
Stanley Kubrick, GB/US 1962; Drehbuch: Vladimir Nabokov nach seinem Roman; Kamera: Oswald Morris; Schnitt: Anthony Harvey; Musik: Nelson Riddle; Darsteller*innen: James Mason, Sue Lyon, Shelley Winters, Peter Sellers. DCP (von 35mm), sw, 153 min. EnglischVladimir Nabokovs Roman über die pädophile Obsession eines Literaturprofessors wurde in den 1950ern zum Skandal, dadurch auch zum Welterfolg – und bald als literarisches Meisterwerk anerkannt. Nabokovs vielschichtige Demontage seines unverlässlichen Ich-Erzählers ist ein kunstvolles Vexierspiel, das sich in kein anderes Medium übertragen lässt. Stanley Kubricks Verfilmung wurde zur Gratwanderung und einem Kampf mit den Zensurauflagen, von Nabokovs Vorlage bleiben die Schachspielstruktur und die Tonlagenwechsel von schwarzer Komödie zu Tragödie: Humbert Humbert (James Mason) verbringt den Sommer bei einer einsamen Witwe (Shelley Winters), um deren 14jähriger Tochter Lolita (Sue Lyon) näherzukommen. Im Hintergrund lauert Humberts Gegenspieler-Doppelgänger Clare Quilty (Peter Sellers). Lolita ist heute aus anderen Gründen kontrovers als damals, bleibt aber ein Schlüsselwerk für Kubrick, der damit nach England übersiedelt und surrealistische Ansätze entdeckt. (C.H.)
Einführung von Michael Loebenstein