Deconstructing Harry, 1997, Woody Allen

Deconstructing Harry

Regie, Drehbuch: Woody Allen; Kamera: Carlo Di Palma; Schnitt: Susan E. Morse; Musik: Erroll Garner, Benny Goodman, Django Reinhardt, Stan Getz u.a.; Darsteller: Woody Allen, Judy Davis, Billy Crystal, Kirstie Alley, Bob Balaban. US, 1997, 35mm, Farbe, 94 min. Englisch
 
Das Ende ist nah: Nur die Frage, ob es dabei um das Ende der fiktionalen Welt seiner Kunstfiguren oder um dasjenige des von ihm gespielten Schriftstellers Harry Block geht, lässt Woody Allen in dieser bitteren autobiografischen Komödie offen. Harry offenbart all seine Geheimnisse auf giftige und schonungslose Weise, oder genauer gesagt: Sie offenbaren sich von selbst in Begegnungen mit seinen Liebhaberinnen, der Verwandtschaft und Freund*innen, die ihn allesamt angreifen wegen der realitätsgetreuen Darstellung ihrer Beziehungen. Denn in Harrys Büchern bleibt nichts ungesagt, er kennt keine (Scham-)Grenzen und verursacht Chaos, während er sich ganz narzisstisch nur mit sich und seiner Schreibblockade beschäftigt. Stets auf dem Sprung zwischen den erfundenen und "echten" Welten, bringt uns Deconstructing Harry durch seine zutiefst misanthropische Weltanschauung zum Lachen. Es geht um eine Art Befreiung durch Kunst, die das Publikum auch schonungslos in sich selbst schauen und über sich selbst wundern lässt. (I.M.)