Programmvorschau Frühjahr 2026

Derek Jarman zählt zu den bedeutendsten britischen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und war zugleich eine zentrale Figur queerer Kultur und künstlerischen Widerstands. Seine Filme verbinden autobiografische Fragmente, politische Dringlichkeit und poetische Offenheit zu einer unverwechselbaren Handschrift. Das Österreichische Filmmuseum präsentiert 2026 alle verfügbaren Filme Jarmans, darunter sämtliche Kooperationen mit Tilda Swinton, restaurierte frühe 8mm-Filme, Musikvideos sowie eine seltene Live-Aufführung seines testamentarischen Films Blue mit Originalmusikbegleitung des Komponisten Simon Fisher Turner am Klavier.
Mit Liebe auf den ersten Blick: Regiedebüts aus der Sammlung richtet das Filmmuseum den Blick auf Regiedebüts als entscheidende Momente filmischer Geschichte. Ob als frühes Versprechen, als radikaler Einzelentwurf oder als Auftakt eines außergewöhnlichen Werks: Die Anfänge von Filmemacher*innen wie Erich von Stroheim, Josef von Sternberg, Luis Buñuel, Jean Vigo, Orson Welles, Akira Kurosawa, Agnès Varda, Jean-Luc Godard, John Cassavetes, Chantal Akerman, David Lynch oder Jim Jarmusch markieren Weggabelungen, an denen sich das Kino neu erfand. Ergänzt durch weniger bekannte, heute neu zu entdeckende Arbeiten und eine Coda an der Schwelle zum 21. Jahrhundert versammelt das Programm über siebzig Filme – mit wenigen Ausnahmen in glänzenden 35mm-Kopien.
Eine weitere große Retrospektive verbindet drei sehr unterschiedliche, generationell jedoch verwandte Positionen: Shirley Clarke, Michael Roemer und Stanley Kubrick. Anlass ist die Wiederentdeckung und Restaurierung von Roemers Schaffen, das erstmals vollständig in Europa gezeigt wird. Gemeinsam ist den drei Filmemacher*innen nicht nur ihre zeitliche Nähe, sondern auch eine tiefgreifende Prägung durch jüdische Kultur und ein kompromissloser Anspruch an das Medium Film. Während Kubrick längst zum Kanon zählt, eröffnen die Filme von Clarke und Roemer neue Perspektiven auf das amerikanische Independent-Kino und laden dazu ein, sie als das zu entdecken, was sie sind: Clarke als eine der Pionierinnen und Wegbereiterinnen des amerikanischen Tanz-, Experimental- und Dokumentarfilms und Roemer als eindrucksvolles Beispiel dafür, was passiert, wenn man die politische Neugier von Robert Kramer, die psychologische Einsicht von Eric Rohmer und die unermüdliche Vitalität von John Cassavetes miteinander verbindet. Alle Arbeiten werden ebenfalls auf bestmöglichen 35mm-Kopien präsentiert.
Das Programm wird auch 2026 durch internationale Gäste ergänzt: Bruce Yonemoto wird das videokünstlerische Werk, das er gemeinsam mit seinem Bruder Norman entwickelte, persönlich präsentieren. Das Programm entsteht in Kooperation mit sixpackfilm. Im Rahmen dieser Kooperation sei auch noch die Künstlerin Viktoria Schmid genannt, die 2026 im Filmmuseum zwei Kurzfilmprogramme kuratiert. In diesen treten ihre eigenen Analogfilme mit Werken anderer Filmemacher*innen in Dialog. Josef Dabernig feiert 2026 seinen 70. Geburtstag; sein formal strenges, oft ironisches Kino zwischen Architektur und Gesellschaft wird im Filmmuseum zu sehen sein.
