As time goes by, 2021, Wilbirg Brainin-Donnenberg

Kurzfilmprogramm 4: The Scope of Dreams

Silabario Marine de Contes. FR, 2021, 14 min. Spanisch mit engl. UT
Wer La Gomera, Corneliu Porumboius Noir-Dekonstruktion von 2019, geschätzt hat, wird dieses Quasi-Erklär-Kleinod dazu ohnehin sehen wollen. Wer La Gomera noch nicht gesehen hat, kann Silabario durchaus als Einstiegsdroge nutzen. Und wer La Gomera weder gesehen hat, noch sehen wird – sich also gewissermaßen gar nix pfeift –, hat trotzdem viel von diesem auf einem schönen Gedicht basierenden Film; bekommt er doch die Sprache Silbo näher gebracht, welche jener der Vögel des Eilands La Gomera auf widerhallende Weise verwandt erscheint. (Roman Scheiber)
 
As time goes by Wilbirg Brainin-Donnenberg. AT, 2021, 15 min
Die vier Jahreszeiten in Vegetationen, Lichtstimmungen, Wassertropfen und Windböen erzählt, vier mal drei Minuten. Eine Super-8-Filmrolle lang ist jede Saison in diesem luftigen Gedicht an das Werden und Vergehen. Ganz leise klingen die coronabedingten Spaziergänge im Freien an – aus weiter Ferne rufen uns schneebedeckte Berge leise zu, dass Reisen wieder möglich sein wird; zugleich liegt die Freiheit doch auch ganz nah vor uns, im Blinzeln des Kameraauges, in der heiteren Betrachtung eines Blumenfeldes, das eine junge Frau durchstreift. (Katja Wiederspahn)
 
Sycorax Lois Patiño, Matías Piñeiro. ES/PT, 2021, 19 min. Spanisch/Portugiesisch mit engl. UT
Die Figuren von The Tempest haben eine Vorgeschichte, die seit 400 Jahren darauf wartet, erzählt zu werden. Matías Piñeiro erweitert seine Filme über Frauen in Shakespeares Stücken um eine mythische Gestalt und folgt Koregisseur Lois Patiño auf eine fantasmatische Atlantikinsel. Hier mischen sich wuchernde Naturbilder mit seltsam Gegenwärtigem: Calibans Hexenmutter Sycorax wird rehabilitiert, auf dem Markplatz erscheint das Ensemble von The Tempest und in einem Baum schläft Ariel, der Luftgeist, bald wach genug für einen neuen Sturm. (Robert Weixlbaumer)
 
Elle Luise Donschen. DE, 2021, 14 min. Japanisch mit engl. UT
Der Botanische Garten von Kyoto, Aprilwetter. Donschen beobachtet/inszeniert einen Mann und seine kleine Tochter (ihren Mann und ihre Tochter), ein paar weitere Figuren kommen hinzu. Gewissermaßen im Zentrum des Films ist eine Leerstelle: Eine Frau erzählt von ihrer verstorbenen Hündin Elle. Es gilt genau hinzusehen und hinzuhören; nur dann nämlich erschließt sich dieser formalisierte Blick auf scheinbar beiläufige Begegnungen, das Insistieren auf Takt- und Rhythmusgefühl als Ausdruck von Empathie und Sensibilität. (Roman Scheiber)
 
under the microscope Michaela Grill. AT/CA, 2021, 7 min
Ausgangspunkt der experimentellen Arbeit von Michaela Grill sind naturwissenschaftliche Filme aus den 1920er Jahren: Zellteilung in Nahaufnahme, Pilzwachstum im Zeitraffer, Pollendistribution und Ähnliches. In der farblichen Übermalung und visuellen Verdichtung und mit dem fast vegetativ anmutenden Soundtrack von Sophie Trudeau wird daraus eine multisensorielle Attacke: ein postpsychedelisches Fest für das Dritte Auge, bei dem die Leinwand mehr als einmal zu explodieren scheint. Welcome to the Pleasure Dome! (Thomas Mießgang)
 
In Anwesenheit von Wilbirg Brainin-Donnenberg, Lois Patiño und Michaela Grill

Spieltermine:

Mo 25.10.2021 16:00
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Während der Viennale von 21. bis 31.10. sind keine Reservierungen möglich, es gelten gesonderte Ticketregelungen. Tickets sind ausschließlich an Viennale-Kassen, per Telefon 01/526 594 769 oder unter www.viennale.at erhältlich.