Les Parapluies de Cherbourg (Die Regenschirme von Cherbourg), 1964, Jacques Demy

Les Parapluies de Cherbourg (Die Regenschirme von Cherbourg)

Regie, Drehbuch: Jacques Demy; Kamera: Jean Rabier; Schnitt: Anne-Marie Cotret; Musik: Michel Legrand; Darsteller*innen: Catherine Deneuve, Nino Castelnuovo, Anne Vernon. FR, 1964, 35mm, Farbe, 91 min. Französisch mit dt. UT
 
Les Parapluies de Cherbourg ist einer der Filme, die das Kino rechtfertigen, sollte es je seine Existenz verteidigen müssen. Ein Singspiel, in dem das Erhabene – "Oh, wie lieb' ich Dich" – genauso gesungen wird wie das Profane – "Ein Kunde kommt, ich muss mich sputen". In einer Realität, die veristisch ist in ihrer Liebe zu den Orten Cherbourgs, deren Gegenständlichkeit immer wieder akzentuiert wird durch starke Pinselstriche, neue Farben auf Regenrinnen oder Rahmen, die genauso singen wie die Kleider und Dekors, dem Dasein abgeschaut und so verwandelt, wie das Leben sein sollte. Für eine Geschichte, die wie das Leben ist: Man verliebt sich, man muss fort, ein Anderer nimmt einem die Liebe, die bleibt, doch am Ende weniger zählt als ein Dach. Das alles vor dem Hintergrund des Großen Tabus Algerien – des Elefanten, der das Empire im Wohnzimmer zerschlägt: eine Realität, deren Grausamkeit nur die nicht spüren, die das Kino für eine Plaisanterie halten. (O.M.)