Napló szerelmeimnek (Tagebuch für meine Lieben), 1987, Márta Mészáros (Foto: National Film Institute – Film Archive Hungary)

Napló szerelmeimnek (Tagebuch für meine Lieben)

Márta Mészáros. HU, 1987, 35mm, Farbe und sw, 141 min. Ungarisch mit engl. UT
 
Der zweite Teil der Tagebuch-Trilogie spielt in den frühen 1950er Jahren. Juli (Zsuzsa Czinkóczi) möchte in Budapest – und später an der Moskauer Filmhochschule – Regisseurin werden, während sie versucht, ihren verschwundenen Vater, einen Bildhauer, zu finden (László Mészáros verschwand nach seiner Verhaftung 1938 in der UdSSR). Obwohl Mészáros hauptsächlich von den persönlichen Erfahrungen Julis erzählt, ist der zeithistorische Hintergrund, etwa der Tod Stalins 1953 und der Beginn des ungarischen Aufstandes 1956, deutlich erkennbar. Mészáros greift für den ansonsten in Farbe gedrehten Film in großem Umfang auf schwarzweißes Archivmaterial zurück und kombiniert dieses mit eigens für den Film gedrehten schwarzweißen Szenen. Auch wenn Napló szerelmeimnek entstand, als Michail Gorbatschow bereits den Demokratisierungsprozess in der Sowjetunion eingeleitet hatte, war es dennoch ein wichtiges politisches Signal, die russische Invasion in Ungarn 1956 offen zu thematisieren. (T.V.)