Mamma Roma, 1962, Pier Paolo Pasolini

Mamma Roma

Pier Paolo Pasolini. IT, 1962, 35mm, sw, 104 min. Italienisch mit dt. UT

Pasolinis Anteilnahme für das andere Italien, die Ausgebeuteten und das geschichtslose römische Vorstadt-Proletariat, entfaltet sich am reinsten im Realismus seiner ersten beiden Filme. Mit der Geschichte vom Versuch einer Prostituierten (Anna Magnani), ihrem Sohn ein Leben auf dem nächsthöheren sozialen Milieu zu ebnen, zeigt der Marxist Pasolini skeptisch-liebevoll die "Zweideutigkeit subproletarischen Lebens mit kleinbürgerlichem Überbau": das verschwimmende Selbstbewusstsein einer Klasse, auf deren vorgeblichen Elan die Ideologie der Revolution noch stur ihre Karte setzt. Die Kamera von Tonino Delli Colli bleibt frontal auf die Akteure gerichtet oder vollführt suggestiv gleitende Fahrten durch die römische Nacht. Wie in Accattone ist Pasolinis Realismus durchsetzt mit Zitaten historischer Ikonografie wie etwa Mantegnas Tafelbild Christo morto, dessen kühne Körperverkürzung in der Gefängnissequenz provozierend auf den festgeschnallten jugendlichen Helden übertragen wird. (H.T.)
 
Courtesy Cineteca Nazionale