Medea, 1969, Pier Paolo Pasolini

Medea

Pier Paolo Pasolini. IT, 1969, 35mm, Farbe, 110 min. Italienisch mit engl. UT
 
Mit Maria Callas verbindet Pier Paolo Pasolini eine intensive Freundschaft, und er überträgt der Operndiva die Rolle der Medea. In seiner Interpretation der Tragödie von Euripides stehen nicht die Verzweiflung der Königstochter über den Verrat Jasons, ihre Enthauptung ihres Bruders, ihr Kindermord und ihre Brandstiftung im Vordergrund, sondern vielmehr der Verlust ihrer Heimat Kolchis als Sinnbild für die Übernahme archaischer Gegenden durch den Westen. Pasolini richtet seine Aufmerksamkeit auf Landschaft, Rituale und die Schönheit und überragende Präsenz von Maria Callas. Medea ist die Gegenüberstellung des archaischen, priesterlichen Universums mit der rationalen und pragmatischen Welt Jasons. "Jason ist der zeitgemäße Held, der nicht nur den Sinn für das Metaphysische verloren hat, sondern sich nicht einmal mehr Fragen dieser Art stellt. Er ist der willenlose Techniker, dessen Streben ausschließlich dem Erfolg dient," so Pasolini. Medea ist ein wortkarger Film mit unvergesslichen Aufnahmen, atemberaubenden Kostümen und traditioneller nordafrikanischer Musik. (C.Hö.)
 
Courtesy Istituto Luce – Cinecittà