Porcile (Der Schweinestall), 1969, Pier Paolo Pasolini

Porcile (Der Schweinestall)

Pier Paolo Pasolini. IT, 1969, 35mm, Farbe, 100 min. Italienisch mit engl. UT
 
Ein Sonett in der Art Petrarcas über ein Thema von Lautréamont hat Pasolini Porcile genannt, mit dem er seine "Enttäuschung angesichts aller bisherigen Gesellschaftsformen" zum Ausdruck bringen wollte. Auf zwei Ebenen erzählt er die Geschichte eines Kannibalen (Pierre Clémenti) und eines Sodomiten (Jean-Pierre Léaud), deren "Abartigkeit" als ohnmächtiger Protest und deren Tod als provozierende Variante des Märtyrertums interpretiert werden: in einer Vulkanöde des "Mittelalters" das eine, im von NS-Gedankengut verseuchten Industriellenmilieu der Bundesrepublik von 1968 das andere Mal. Die Gegenüberstellung von Stille-Sprechtirade, Statik-Fahrt ist die ästhetische Entsprechung zum Dual der ideellen Spannung, die Pasolinis Filme prägt: Marxismus-Christentum, Zivilisation-Barbarei, Ratio-Magie. Pasolini hat seine teilweise Identifikation mit den Helden und deren "apokalyptischer Anarchie" und "existenzieller Widersprüchlichkeit" geäußert. Den Franziskanismus seiner frühen Filme hat er in wütende Provokation umgekehrt. (H.T.)
 
Courtesy Istituto Luce – Cinecittà