Matti da slegare (Keiner oder alle)

Silvano Agosti, Marco Bellocchio, Sandro Petraglia, Stefano Rulli, IT 1975
Drehbuch: Silvano Agosti, Marco Bellocchio, Sandro Petraglia, Stefano Rulli; Kamera: Ezio Bellani; Schnitt: Silvano Agosti; Musik: Nicola Piovani. 35mm, sw, 135 min. Italienisch mit engl. UT 

 
Ausbeutung, Erniedrigung und körperliche Züchtigung galten bis in die 1960er Jahre in psychiatrischen Anstalten europaweit als gängige Praxis. Von der "Psychiatrie außerhalb der Mauern" des Psychiaters Franco Basaglia inspiriert, begleiten Silvano Agosti, Marco Bellocchio, Sandro Petraglia und Stefano Rulli den Weg von drei jungen Erwachsenen, die aus der psychiatrischen Klinik in Colorno (Parma) entlassen werden, um ein "normales Leben" zu führen und in einer Fabrik arbeiten zu können. Ganz im Stil des Cinéma vérité agiert die Kamera als lebendige Zeugin, die ihre emotionale Nähe in der Interaktion mit den Menschen, die sie porträtiert, spürbar macht, indem sie einfach da ist, zuhört und filmt. So reihte sich der Kampf für die Schließung der Heime und geschlossenen Anstalten nahtlos in die Revolten der Arbeiterklasse ein, die sich seit '68 massiv für das Recht auf Menschenwürde und gegen die Stigmatisierung und Ausgrenzung von sozial und psychisch Benachteiligten eingesetzt hatte. (E.S.)
 
Courtesy Cinecittà