
Wittgenstein
Derek Jarman, GB 1993; Drehbuch: Derek Jarman, Terry Eagleton, Ken Butler; Kamera: James Welland; Schnitt: Budge Tremlett; Darsteller*innen: Karl Johnson, Michael Gough, Tilda Swinton, Clancy Chassay, Sally Dexter. 35mm, Farbe, 72 min. Englisch mit dt. UTMit minimalem Budget beschwört Jarman das Innenleben des in Wien geborenen Philosophiegiganten und nutzt die finanziellen und technischen Einschränkungen – das Projekt entstand ursprünglich als Teil einer Fernsehreihe über große Denker – zu seinem Vorteil. Das Ergebnis hätte vielleicht sogar den namensgebenden Ludwig begeistert, einen eingefleischten Cineasten, dessen Alltag von spartanischer Askese geprägt war. Ebenso spartanisch setzt Jarman Episoden aus verschiedenen Epochen von Wittgensteins Leben in Österreich und England in Szene: sparsam, aber extravagant auf einer kargen Bühne mit einfachen Kostümen, Requisiten und Möbeln. Ein experimenteller Ansatz, den Jarmans Muse und Weggefährtin Tilda Swinton (anerkennend) mit einer "Schulaufführung" verglich. Swinton selbst verkörpert Lady Ottoline Morrell, eine unkonventionelle Grande Dame, Horror-Ikone Michael Gough spielt einen rüstigen Bertrand Russell und Karl Johnsons Darstellung des älteren Wittgensteins führt geradezu ins Reich der Reinkarnation. (N.Y.)
Courtesy Filmarchiv Austria