Filmmuseum on Location:

"Blind Husbands" im Wiener Konzerthaus

3. Oktober 2021
 
Bisweilen führt die Reise ins österreichische Herz des Kinos nach Hollywood. In der Bibliothek der Academy of Motion Pictures Arts & Sciences (die Heimat der "Oscars ©") blätterte ich vor einigen Jahren durch eine Mappe mit Skizzen, die sich im Nachlass des in Wien geborenen, großen amerikanischen Stummfilmregisseurs und Schauspielers Erich von Stroheim (1885–1957) fand. Es sind Zeichnungen, die der notorisch pedantische Stroheim für die Ausstattung seines Spielfilmdebüts Blind Husbands angefertigt hatte: Details von Tiroler Blumenbeeten, Postkutschen, ja sogar Feingebäck wie Semmeln, die der damals 34-Jährige aus dem Gedächtnis für den Ausstatter des Hollywoodstudios gezeichnet hatte.
 
In ihrer Detailtreue und Lebendigkeit zeugen diese Skizzen weniger von einem wahrhaftigen Österreich der Jahrhundertwende als von einem imaginären Österreich, wie es nur im Exil und auf der Kinoleinwand entstehen konnte.  Erich von Stroheim – geboren im 7. Bezirk als Erich Oswald Stroheim, Sohn eines Hutmacherehepaars – erfindet sich mit seiner Ankunft in Ellis Island, New York, neu. Aus dem jüdischen Handwerkersohn wird ein adeliger Kavallerieoffizier: Hollywoods oberster Alte-Welt-Bösewicht, "the man you love to hate", und zugleich einer der größten Regisseure der Stummfilmzeit, dessen Inszenierungsstil Filmemacher wie Sergej Eisenstein, Jean Renoir oder Alfred Hitchcock beeinflusste.

Unsere Rekonstruktion der Premierenfassung des Films und die Uraufführung der neuen Vertonung von Andreas Eduardo Frank im Konzerthaus gibt dem Wiener Publikum die Gelegenheit, Stroheims tragikomisches und zutiefst modernes Ehedrama dort wiederzuentdecken, wo es hingehört: auf der Leinwand. (Michael Loebenstein)

Sämtliche Mitglieder des Filmmuseums erhalten für Blind Husbands am 3. Oktober 2021 im Wiener Konzerthaus vergünstigte Tickets (Rabatt 7,5%, max. 2 Karten); für ein Abo "Film + Musik live" erhalten Fördernde Mitglieder eine Preisreduktion von 17,5%.

Eine Koproduktion von Österreichisches Filmmuseum, 2eleven music film, ZDF/ARTE in Kooperation mit Wiener Konzerthaus und Elbphilharmonie Hamburg
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