Shadows, 1959, John Cassavetes

Programm 2: New York Eye and Ear Control

Interior NY Subway, 14th St. to 42nd St. Billy Bitzer, USA, 1905, 35mm, sw, ca. 6 min
Shadows John Cassavetes, USA, 1959, 35mm, sw, 81 min. Englisch mit dt. UT*
New York Eye and Ear Control Michael Snow, CA, 1964, 16mm, sw, 34 min**
 
Zur Premierenankündigung der endgültigen Fassung von Shadows im "Cinema 16" schreibt Amos Vogel: "Der bedeutendste unabhängige US-Film der Dekade, schon jetzt legendär: John Cassavetes' pulsierende Offenbarung der Halbwelt der Nachtschwärmer – floaters, chicks, jazz musicians and hipsters in the neon-lit desert of Times Square. Die überwältigende Unmittelbarkeit dieser brillanten Rückkehr zur Improvisation im Kino zeichnet ein mitfühlendes, brutales Porträt von Anmache und Schlägereien, von Einsamkeit, gelegentlichen Affären und Selbstsuche. Die bemerkenswert erwachsene Behandlung einer rassenübergreifenden Liebesgeschichte zeigt die Schwarzen nicht als liberale Klischees, sondern als menschliche Wesen in all ihrer Komplexität." Mehr als eine berauschend gegenwärtige, direkte Momentaufnahme aus der Beat Generation, wird die mit 16mm-Handkameras "auf der Straße" gefundene Ästhetik von Shadows zum einschneidenden Moment für den unabhängigen US-Film (und Cassavetes als Regisseur zum unerreicht bleibenden Vorbild): Inbegriff für den Bruch mit den Normen Hollywoods und Vorbote eines neuen, beweglichen, jungen Kinos, das die ganze Welt erfasst. Im Sinne Vogels wird seine Vorführung von zwei anderen beglückenden Kino-Experimenten gerahmt. Davor: ein früher Blick in die U-Bahn von Billy Bitzer, schon wegen der Lichtverhältnisse mit den damaligen technischen Möglichkeiten ein sensationelles Unterfangen. Danach: ein pulsierendes Bild-Ton-Gedicht von Michael Snow, der zum improvisierten Jazz-Soundtrack von Albert Aylers Gruppe (schon als reines Musik-Ereignis ein Instant-Klassiker) seine wahrnehmungs- und kinoverändernden Untersuchungen zum Wechselspiel der Perspektiven und dem Wandel des Zeitgefühls in Angriff nimmt. (C.H.)

*Herzlichen Dank an Heldis Stepanik-Kögl und Lukas Stepanik, die im Rahmen des Projekts "Filmpatenschaft" den Erwerb dieses Films für die Sammlung des Filmmuseums ermöglicht haben.
** Herzlichen Dank an einen anonymen Filmpaten, der im Rahmen des Projekts "Filmpatenschaft" den Erwerb dieses Films für die Sammlung des Filmmuseums ermöglicht hat.


Einführung von Christoph Huber