Joe Hill, 1971, Bo Widerberg (Foto: Swedish Film Institute)

Joe Hill

Regie, Drehbuch, Schnitt: Bo Widerberg; Kamera: Petter Davidson, Jörgen Persson; Musik: Stefan Grossman; Darsteller: Thommy Berggren, Anja Schmidt, Kelvin Malave, Evert Anderson. US/SE, 1971, DCP (von 35mm), Farbe, 118 min. Englisch
 
Dank des Riesenerfolgs von Elvira Madigan zählte Bo Widerberg zu den Europäern, die im Zuge von "New Hollywood" als prospektive Erfolgsautorenfilmer von den großen Studios umworben wurden. Eine Adaption von The Great Gatsby war im Gespräch, doch Widerberg entschied sich mit typischem politischem Kampfgeist für eine Filmbiografie des schwedischstämmigen Arbeiterbewegungs-Aktivisten und Singer-Songwriters Joe Hill (verkörpert von seinem Stammschauspieler Thommy Berggren). Hill war als Gewerkschafts-Agitator den Mächtigen ein Dorn im Auge und wurde schließlich nach einem dubiosen Mordprozess, der sich zum Justizskandal auswuchs, 1915 hingerichtet. Legendär wurden nicht nur seine letzten Worte: "Don't mourn – organize!" Widerberg schlägt einen angemessen balladenhaften Ton an, um den Mythos gleichermaßen zu unterspielen wie zu untermauern: wie Troells Zandy's Bride ein ganz eigensinniger New-Hollywood-Beitrag, der auch wegen Rechteproblemen merkwürdig vernachlässigt geblieben ist. (C.H.)
 
Einführung von Jon Wengström (Swedish Film Institute) am 11.9.