Lust och fägring stor (Schön ist die Jugendzeit), 1995, Bo Widerberg (Foto: Swedish Film Institute)

Lust och fägring stor (Schön ist die Jugendzeit)

Regie, Drehbuch, Schnitt: Bo Widerberg; Kamera: Morten Bruus; Musik: Johann Sebastian Bach, Gustav Mahler u. a.; Darsteller: Johan Widerberg, Marika Lagercrantz, Tomas von Brömssen, Karin Huldt, Nina Gunke. SE/DK, 1995, 35mm, Farbe, 130 min. Schwedisch mit engl. UT
 
Widerbergs letzter Film, ein Jahr vor dem Krebstod des Regisseurs auf der Berlinale preisgekrönt, fühlt sich keineswegs wie ein Abschied an, sondern zelebriert noch einmal mit erzählerischem Erfindungsreichtum und sinnlichem Genuss den Geschmack des Lebens – freilich, ganz Widerbergs Ambivalenzen folgend, ohne Enttäuschungen und Rückschläge auszuklammern. War sein Durchbruchsfilm Kvarteret korpen ein autobiografischer Kindheits-Rückblick in die Armenviertel Malmös, formt Widerberg hier seine persönlichen Erinnerungen an die Heimatstadt während des Weltkriegsjahrs 1943 zum farbenfrohen Entwicklungsroman, im Zentrum eine amour fou: Der 15-jährige Stig (Widerbergs Sohn Johan) hat eine leidenschaftliche Affäre mit seiner 20 Jahre älteren Englischlehrerin Viola (Marika Lagercrantz), die in einer unbefriedigenden Ehe lebt – doch dann freundet sich ihr Alkoholikergatte in einem der typischen tragikomischen Geistesblitze des Films mit dem Jungen an, was zu unerwarteten Wendungen in der Beziehungskonstellation führt. (C.H.)