Birdwatchers – La terra degli uomini rossi, 2008, Marco Bechis

Die geplante Vorführung von Paul Leducs Etnocidio: Notas sobre el mezquital (Völkermord) muss leider abgesagt werden, da die 16mm-Kopie des Films nicht eingetroffen ist. Das Filmmuseum zeigt stattdessen Birdwatchers La terra degli uomini rossi (2008, Marco Bechis).
 

Birdwatchers – La terra degli uomini rossi

Regie: Marco Bechis; Drehbuch: Marco Bechis, Luiz Bolognesi, Lara Fremder; Kamera: Hélcio Alemão Nagamine; Schnitt: Jacopo Quadri; Musik: Andrea Guerra; Darsteller*innen: Claudio Santamaria, Alicélia Batista Cabreira, Chiara Caselli, Matheus Nachtergaele. IT/BR, 2008, 35mm, Farbe, 102 min. Portugiesisch und Guaraní mit dt. UT
 
Schon die Eröffnung von Birdwatchers unterläuft die Erwartungen: Touristen auf einem Aussichtsboot in Brasiliens Regenwald bestaunen die bemalten Eingeborenen am Flussufer, die ihnen kreischend ein paar Pfeile nachschießen. Dann gehen die Indios in den Wald, schminken sich ab, werden für ihre Darstellerdienste armselig ausbezahlt und ins Reservat zurückgekarrt. Ausnahmeregisseur Marco Bechis entwickelte seinen Film nach echten Begebenheiten gemeinsam mit Guarani-Kaiowá, die sich auch selbst spielen: Dem traditionellen Leben ist man längst entfremdet, beim Stammesnachwuchs kommt es regelmäßig zu Selbstmorden. Als ein Trupp Indios ausbricht und auf dem alten Territorium ein Lager errichtet, eskaliert die Konfrontation mit dem Grundbesitzer. Die vibrierende Bildgewaltigkeit von Bechis' Film erinnert an die berühmten Dschungelepen von Werner Herzog, doch der revisionistische Blick auf die Ausgrenzungspolitik und ihre Folgen produziert ein gleichermaßen überraschendes wie unversöhntes Kinostück von brennender Aktualität. (C.H.)
 
Einführung von Christoph Huber

Spieltermine: