TREMOR – Es ist immer Krieg, 2017, Annik Leroy

TREMOR – Es ist immer Krieg

Ein Film von Annik Leroy; Kamera, Schnitt: Julie Morel, Annik Leroy. BE, 2017, DCP (von 16mm), sw, 92 min. Mehrere Sprachen mit engl. UT
 
Davor:
Cellule 719 (Zelle 719) Ein Film von Annik Leroy. BE, 2006, DCP, Farbe, 15 min. Englisch
 
Stärker als in Annik Leroys anderen Filmen werden in Tremor die Bewegungen der Geschichte mit denen der Erde verglichen. So fügen sich Vulkanlandschaften Islands und Italiens sowie die Flaktürme und die verlassene psychatrische Anstaltn Wiens zu einer großen Erzählung der Unrast und Gewalt. Doch die eigentliche Triebfeder des Films sind "die Stimmen von Dichtern und Verrückten" (Leroy), die von ihren Erfahrungen mit Gewalt und Gefangenschaft berichten. Der Untertitel Es ist immer Krieg entstammt Ingeborg Bachmanns Malina, dessen Passagen auf Aufnahmen von Pasolini, Freud, Alberto Moravia treffen: ein Mosaik der grenzenlosen Unterdrückung. Gespenstische Bilder wie Fernando Nannettis riesige Graffitis in der psychiatrischen Klinik von Volterra treffen auf eine schwarze Leinwand, während eine Zeugin an die Menschenmassen erinnert, die Hitler in Wien begrüßten. Gewalt und Krieg haben viele Formen, aber keine von ihnen lässt uns ohne Erschütterung zurück. Cellule 719 untersucht die Gefangenschaft von Ulrike Meinhof mit Worten und Dunkelheit. (I.M.)