Strange Object, 2020, Miranda Pennell

Kurzfilmprogramm 6: Mysterious Objects

Strange Object Miranda Pennell. GB, 2020, 15 min. Englisch
An Beginn und Ende steht bildfüllend der narbige rote Ledereinband eines Fotoalbums. Bild für Bild erschließt sich in Kommentaren und Zitaten die Historie der zunächst abstrakt wirkenden, zunehmend Zerstörung dokumentierenden Luftaufnahmen. Erstellt wurden sie 1920 von der "Einheit Z" der Royal Air Force beim ersten Luftangriff auf ein Land in Afrika, das heutige Somalia. Ein minutiös komponierter Soundtrack aus Archiv- und Gegenwartstönen zieht weitere Ebenen ein in das komplexe Gefüge dieses Films, der demonstriert: Geschichte wird gemacht. (Barbara Kronsfoth)
 
Een weefsel van licht Bram Ruiter. NL, 2021, 11 min. Niederländisch mit engl. UT
Sechs Menschen werden gefragt, was ihrer Meinung nach auf einer nicht entwickelten Super-8-Kartusche zu sehen sein könnte. Diese Versuchsanordnung setzt ein Assoziationsspiel in Gang, das abgehackte Monologe auf deftig kolorierte Objektwelten treffen lässt. Immer wieder mündet der Film in abstrakte Farben- und Formenspiele, die an die körnigen Experimente der New Yorker Avantgarde der 1960er Jahre erinnern. Man könnte auch sagen: visueller Free Jazz. Das Geheimnis des als McGuffin funktionierenden Super-8-Films wird allerdings nicht enthüllt. (Thomas Mießgang)
 
"Le-deu-pil-teo-ga cheol-hoe-doeb-ni-da." Kim Minjung. KR, 2021, 12 min. Koreanisch mit engl. UT
Dieser Film ist eine Art psychogeografische Erkundung der Südkorea vorgelagerten Insel Jeju, die eine blutige Bürgerkriegsgeschichte hat. Die Kamera gleitet durch Höhlen und Militärbunker, berauscht sich an den präzise ziselierten Geometrien und evoziert mit grellen Farben die Aufstände und Massaker nach dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig wird durch einen Inserttext des Experimentalfilmers Hollis Frampton eine philosophische Metaebene eingezogen: "The rectangle was here before we came, and it will be here after we have gone." (Thomas Mießgang)
 
Nesting Endless Karl-Heinz Klopf. AT, 2021, 25 min. Englisch/Deutsch mit engl. UT
Der "Nesting Table" ist eine Art Vorgänger des Nierentisches, entworfen vom Architekten Friedrich Kiesler: Die Kamera umkreist das kurvige Möbelstück, das sich vervielfältigt und wie in einem Spiegelsaal unendliche Möglichkeiten der formalen Ausfaltung aufschließt. Dann ein Kippmoment in die Realität: Eine Gruppe von Künstlerinnen steht um den Tisch herum und erprobt in performativen Posen voller Leidenschaft seinen Gebrauchswert. Eine filmische Liebeserklärung, so schwerelos wie das im virtuellen Raum schwebende Objekt. (Thomas Mießgang)
 
Night Colonies Apichatpong Weerasethakul. US/TH, 2021, 14 min. Thai mit engl. UT
In betörender Präsenz lässt Weerasethakul kriechende, sich gegenseitig verspeisende und vor allem surrende Insekten und Reptilien auf einem Bett umgeben von Leuchtstoffröhren erscheinen. Immer wieder versuchen die Tiere in das Licht selbst einzutauchen, aber sie erzeugen letztlich nur einen rauschend-verschwommenen Chorgesang, der in tonale Spuren von demokratischen Demonstrationen in Bangkok übergeht – solcherart die bekannt-beunruhigende Analogie zwischen Mensch und krabbelndem Getier nahelegend. (Patrick Holzapfel)
 
In Anwesenheit von Karl-Heinz Klopf

Spieltermine:

Mi 27.10.2021 16:00
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