Domangchin yeoja (The Woman Who Ran), 2020, Hong Sangsoo

Domangchin yeoja (The Woman Who Ran)

Hong Sangsoo. KR, 2020, DCP, Farbe, 77 min. Koreanisch mit engl. UT
 
Der koreanische Titel Domangchin yeoja betont im Vergleich zum englischen mehr das Moment des "Wegrennens", der Flucht: Diese Frau, von der im Film unklar bleibt, um welche der vielen Frauen es sich nun handelt, rennt nicht nur, sie rennt weg. Vor wem sie wegrennt, ist wohl seit dem Ende von Woman on the Beach offensichtlich: vor den Männern natürlich. Ungewöhnlich für einen Regisseur, der in seinen früheren Filmen so dezidiert die Untiefen männlichen Verhaltens sezierte, handelt es sich bei The Woman Who Ran fast gänzlich um einen Frauenfilm, der die Männer aufs Nebengleis befördert. Aber auch in topografischer Hinsicht geht es um eine Fluchtlinie, die weg von der Großstadt aufs Land führt: Die Frauen sind womöglich nicht nur den Männern entflohen, sondern auch der Großstadt Seoul. Gab es die Bewegung in Richtung Provinz in vielen Hong-Filmen in Form von Reisen, Ausflügen oder Festivalbesuchen, so ist doch neu, dass sich die vormals urbanen Flaneurinnen nun an den Rändern von Seoul angesiedelt haben. (S.L.)