Bruxelles-transit

Samy Szlingerbaum. BE, 1980, 35mm, sw, 80 min. Jiddisch mit dt.UT
 
Als Amos Vogel 1981 von der Berlinale berichtet, steigt er mit einem aufgewühlten Publikumsgespräch ein und umreißt knapp die Kinoerfahrung davor: "Samy Szlingerbaums Film über seine Familie in den Nazijahren, in dem nur jiddisch geredet wird. Heutige, nächtliche, leere Brüsseler Straßen, stilisierte Tableaus von lyrischer Kraft und die spontan auf Band gesprochenen Erinnerungen seiner Mutter dienten als poetische Darstellung einer Vergangenheit, die es nicht mehr gibt." Neben ein paar kürzeren Dokumentarfilmen ist diese bemerkenswerte Ballade einer Exilerfahrung das filmische Vermächtnis von Samy Szlingerbaum und ein Ausnahmewerk in jeder Hinsicht: Seine intensiven Schwarzweißbilder fangen jenes Unwirkliche ein, das alles Erinnerte nebelhaft umflort, und doch manifestieren sich daraus die Art von konkreten Details, die nur im Erlebten so scharf umrissen bleiben. Ein poetisches Kunststück zwischen Rekonstruktion und Fiktion, durch die das Damals hallt wie eine ferne Melodie. (C.H.)
 
Einführung von Christoph Huber am 7.1.
 
Courtesy of Arsenal – Institut für Film und Videokunst