Edipo re (Edipo Re – Bett der Gewalt), 1967, Pier Paolo Pasolini

Edipo re (Edipo Re – Bett der Gewalt)

Pier Paolo Pasolini. IT, 1967, 35mm, Farbe, 104 min. Italienisch mit engl. UT
 
Die Ödipus-Tragödie des Sophokles setzt Pasolini im Mittelteil dieses Films (den er seinen cinematographischsten nennt) in nahezu stumme Rituale einer barbarischen Welt um: Szenen von bestürzender Wildheit und rauschhafter Schönheit, aufgenommen in der auf Ocker- und Blautöne reduzierten Wüste Marokkos und gespielt von Akteuren, deren Masken, Helme, Gewänder und Waffen eine bizarre Synthese mythischer Kulturen darstellen. Dem stellt Pasolini einen Prolog voran, der die psychischen Verletzungen seiner eigenen Kindheit in abendlich dämmrigen Interieurs einer norditalienischen Bürgerwohnung der 1930er Jahre beschwört. In den Szenen von Ödipus' blindem Sängerdasein begibt sich der Film am Ende erneut in die Gegenwart und in die Kolonnaden Bolognas. Im Rahmen eines Triptychons durchstreift Pasolinis Held lernend Zeiten und Räume, passiert sprunghaft Dekadenz, Archaik und Freudsche Aufklärung, um schließlich neuerdings ins Reich des Mythos zu gelangen. Pasolini: "Das Einzigartige des Films ist einerseits seine vollkommene Hingabe an den Mythos, andererseits der Kampf gegen ihn." (H.T.)
 
Courtesy Istituto Luce – Cinecittà