Bruklin – Gusinje (Brooklyn – Gusinje), 1988, Želimir Žilnik (Foto: Kunsthalle Wien)
Prvo tromesečje Pavla Hromiša (Das erste Trimester von Pavle Hromiš), 1983, Želimir Žilnik (Foto: Kunsthalle Wien)
Stara mašina (Oldtimer), 1989, Želimir Žilnik (Foto: Kunsthalle Wien)
Vera i Eržika (Vera und Eržika), 1981, Želimir Žilnik (Foto: Kunsthalle Wien)

Radikaler politischer Film für die Massen
Eine Auswahl von Želimir Žilniks TV-Filmen der 1980er Jahre

23. Mai bis 8. August 2021
 
Zwischen 1977 und 1990 arbeitete Želimir Žilnik für diverse öffentliche jugoslawische TV-Sender und perfektionierte seine einzigartige Methode der Dokufiktion – und zugleich ein System, um mit radikal politischem Kino das größtmögliche Publikum zu erreichen. Wir zeigen eine Auswahl von sechs Filmen aus dieser Periode rauschhafter Kreativität, die Žilnik selbst am besten beschrieben hat:
 
"In den 1980ern zeigte Jugoslawiens öffentliches Fernsehen jede Woche einen neuen Spielfilm. Acht Regionalstudios produzierten 52 Filme im Jahr. Dabei war es egal, von welchem der acht Regionalstudios ein Film produziert wurde: Er wurde im gesamten jugoslawischen Gebiet gezeigt, mit Untertiteln in Slowenisch, Mazedonisch oder Albanisch, wo nötig. Für jeden dieser Filme war also ein Publikum von fünf bis sechs Millionen Zuseher*innen garantiert.
 
Die Fernsehsender stellten die komplette technische Ausrüstung zur Verfügung, inklusive Filmlabor, Tonstudio, Dekor und Kostümen. Für uns Filmemacher ging damit ein Traum in Erfüllung: Wir hatten eine Garantie für Produktion, Postproduktion und Vertrieb. Das einzige Problem, das ich lösen musste, war Folgendes: Wie weiterhin Filme über die Geschichten und Schicksale machen, die mich inspirieren, wenn ich weiß, dass diese Filme nun von Familien gesehen werden, die zusammensitzen – ein generationenumspannendes Publikum?
 
Die ersten paar Drehbücher, die ich bei den Sendern einreichte, wurden mir nach Monaten des Wartens mit Anweisungen, wie ich sie verbessern und korrigieren sollte, zurückgeschickt. Währenddessen drehte ich halbstündige Dokumentarfilme für die Doku-Redaktionen und fand dabei eine Lösung für meine Drehbuchprobleme. Bei meinen Recherchereisen entdeckte ich oft Männer und Frauen, die ihre Erfahrungen der Öffentlichkeit mitteilen wollten und die vor der Kamera eine gewisse Authentizität verströmten. Ich machte mit diesen Menschen ein paar Probeaufnahmen, die ich den TV-Produzenten zeigte. Daraufhin wurde mir eine Crew zur Verfügung gestellt, mit der ich zehn Tage lang eine 'Dokumentation' drehen konnte. Ich hatte den Produzenten angekündigt, dass die dramaturgische Abteilung daraus ein Drehbuch entwickeln würde.
 
So entstanden meine ersten vier abendfüllenden Fernsehfilme. Die Produzenten der Sender, ausnahmslos gebildete Menschen mit gutem Geschmack, sahen sich diese Filme an und bedrängten ihre Dramaturgen, am Drehbuch zu arbeiten. Doch dazu kam es nie. Also wurden diese 'Dokumentationen' mit Musik und Credits versehen und als Spielfilme ausgestrahlt. Während ich sie drehte, dachte ich an das Projekt des Historikers und Politikwissenschaftlers Howard Zinn: A People's History of the United States. Darin versammelte er mündliche Zeugnisse und Erinnerungen, die eine subjektivere Version der 'offiziellen Geschichte' erzählen. Ich hatte vor, ein vergleichbares Bilderbuch zu schaffen: ein Tagebuch unserer Zeit."

Eine Filmschau in Kooperation mit der Kunsthalle Wien, deren Žilnik-Ausstellung "Shadow Citizens" bis 18. April 2021 zu sehen war.
 
Mit einer Eintrittskarte der Žilnik-Ausstellung in der Kunsthalle Wien erhalten Sie 1 € Ermäßigung im Filmmuseum.