Ortelsburg – Szczytno. Es war einmal in Masuren, 1990, Peter Goedel (© Reinhard Köcher)
Alois Gugutzer, Filmvorführer: "Das Zelluloid, das läßt einen nicht los.", 1979, Peter Goedel (© Gerd Pfeiffer)
Peter Przygodda, Schnittmeister, 1993, Peter Goedel (© Klaus Lautenbacher)
Talentprobe, 1980, Peter Goedel (© Manfred Vollmer)
Hinter den Elbbrücken, 1986, Peter Goedel (© Reinhard Köcher)
Zugabe. Talentprobe – Ein Wiedersehen, 2009, Manfred Behrens (© Peter Goedel Filmproduktion)
Das Treibhaus, 1987, Peter Goedel (© Bernd Spitzkatz)

Das unbekannte Meisterwerk
Hommage an Peter Goedel

3. bis 7. August 2022

Peter Goedel ist einer der großen Unbekannten des deutschen Films. Seit bald fünfzig Jahren arbeitet er als Regisseur und Produzent, ist abwechselnd fürs Kino und Fernsehen tätig. Er hat Dokumentarfilme gedreht, Reportagen und TV-Features, Lehrstücke und Essays und eine Handvoll Spielfilme noch dazu. Der Horizont, den er uns als Publikum aufspannt, reicht von der politisch alerten Literaturverfilmung über die genaue Beobachtung der Handwerker des Kinos bis zur Mutter aller Castingshows. Einige seiner Werke – wie Talentprobe (1980) oder die von ihm produzierte Kompilation Rendezvous unterm Nierentisch (1987) – haben Klassikerstatus, andere – wie Ortelsburg – Szczytno. Es war einmal in Masuren (1990) – sind immer noch zu entdecken, und manche – wie seine klugen Filmtips für den WDR – gar schon verloren.
 
Der Filmkritiker Peter Nau, der sich seit mehreren Jahren um die Wiederentdeckung von Goedels vielgestaltigem Schaffen verdient macht, nennt diesen Autorenfilmer mit seiner großen Affinität zu Literatur und Musik einen "poetisch Forschenden obersten Ranges, insofern, als bei ihm der Film als Film sich bemerkbar macht. Das Leben der Filme in sich bleibt immerzu spürbar. 'Ich male doch ein Bild, nicht einen Stuhl', meinte Schönberg. In der Reinheit des Stils seiner Filme spiegeln sich Peter Goedels Anschauung und Empfindung der menschlichen, gesellschaftlichen, staatlichen Dinge."
 
Geboren 1943 in Torgau an der Elbe, wächst Goedel in der DDR auf, in Halle an der Saale und Potsdam. Nach dem Abitur flieht er 1961 mit Eltern und Bruder in den Westen; studiert in Stuttgart, Köln und München Literatur- und Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte und Philosophie. Er absolviert eine Schauspielausbildung, tritt auf der Bühne und in kleinen TV-Rollen auf; jobbt als Dramaturg und Regieassistent beim Theater und macht erste eigene Inszenierungen, u.a. Brechts Mann ist Mann. Ab Mitte der 1970er Jahre ist er freier Mitarbeiter, Autor und Regisseur beim Fernsehen, vornehmlich in Kultur- und Filmredaktionen. 1978 gründet Goedel in München seine eigene Produktionsfirma, die sich auf Filme über kulturelle Themen spezialisiert. Die erste frei finanzierte Arbeit für das Kino ist der Dokumentarfilm Talentprobe.
 
Dieses "echte Stück deutscher Ethnographie" (Süddeutsche Zeitung) gibt den Auftakt zur Hommage Das unbekannte Meisterwerk, für die wir zusammen mit dem Filmemacher zehn seiner Arbeiten ausgesucht haben, rund ein Drittel seines Œuvres. Der Fokus liegt dabei auf seiner langjährigen Beschäftigung mit dem Werk des Autors Wolfgang Koeppen, einer wunderbaren Begegnung mit Elias Canetti, dem späteren Nobelpreisträger für Literatur, sowie zwei Porträts über Professionisten, die das Kino selbst zum Inhalt haben. Zum Abschluss kehren wir zum Ausgangspunkt zurück und es gibt eine Zugabe zur Talentprobe, in der wir den hoffnungsvollen Schlagerstars von einst wiederbegegnen. (Michael Omasta, Brigitte Mayr)
 
In Kooperation mit SYNEMA – Gesellschaft für Film & Medien

Die Personale findet in Anwesenheit von Peter Goedel statt.

Lektüreempfehlung: Die SYNEMA-Publikation
Das unbekannte Meisterwerk von Peter Nau, die elegante Betrachtungen zu den Filmen Peter Goedels enthält sowie viele Fotos und eine detaillierte Filmografie.
Zusätzliche Materialien