Por primera vez (Zum ersten Mal), 1969, Octavio Cortázar
El gran abuelo Rilajmam (Der alte Großvater Rilajmam), 2002, Kinoki Lumal

Films You Cannot See Elsewhere
Amos-Vogel-Atlas 10: Medium & Ereignis

21. September 2022
 
Auf den ersten Blick scheint das Verhältnis von Medium und Ereignis nicht besonders aufregend: Das Ereignis gilt als Tat oder Tatsache, das Medium wiederum bringt diese zur Darstellung. Das Medium vermittelt demnach zwischen Ereignis und Darstellung, zwischen Aktion und Information. Was aber, wenn im Film das Medium selbst zum Ereignis wird? Wenn die gefilmte Aktion und die projizierte Information ineinander übergehen und nicht mehr auseinanderzuhalten sind? Dann kann es passieren, dass das Medium das abgebildete Ereignis durchdringt – und darüber selbst zu einem solchen wird.
 
Amos Vogel bezeichnet den Wunsch nach diesem Übergang als den "äußersten Subversionsversuch" im Kino, der die künstlerische Schöpfung Film in eine gesellschaftliche Tat verwandeln will. Für den Namensgeber der Atlas-Filmreihe befinden wir uns hier an jenem Schauplatz, an dem es darum geht, "die Kluft zwischen Leben und Kunst zu überbrücken." Dieses Kapitel widmet sich dem filmischen Potenzial zur Aktivierung der Zuschauer*innen in Hinblick auf eine Veränderung von Welt und Gesellschaft durch die Schaffung von Kino-Ereignissen.
 
Ein Filmvortrag spannt einen Bogen von Dziga Vertovs Montage der Errungenschaften der Oktoberrevolution über die Dokumentation der Wanderkino-Unternehmungen im revolutionären Kuba bis zur rebellischen Medienpraxis im Umfeld des zapatistischen Aufstands in Mexiko. Und ein Ausflug nach Guatemala lädt zur Teilnahme an einer mehrtägigen Feier ein, die eine indigene Gottheit in ihre neue Wohnstatt begleitet. (Tom Waibel)

Herzlichen Dank an Kinoki Lumal für Filme und Ausschnitte

Der gebürtige Wiener Jude Amos Vogel (1921–2012) wurde nach der Emigration in die USA eine der wichtigsten Figuren der internationalen Filmkultur. Die Reihe Amos-Vogel-Atlas widmet sich der Weiterführung seines widerständigen Erbes parallel zur Beforschung seines Nachlasses im Filmmuseum mit Schwerpunkt auf Raritäten aus der Sammlung.
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