Die Rückseite des Films

Elizabeth Taylors Make-up-Tests für A Little Night Music


Der kurze, stumme 35-mm-Filmausschnitt in Farbe beleuchtet die Dreharbeiten in Wien und erzählt von den üblicherweise versteckten Seiten des Kinos – den Screen-Tests. Die im englischen Titel wörtlich übersetzte filmische Adaption von Wolfgang Amadeus Mozarts Eine kleine Nachtmusik wurde von der österreichischen Wien-Film, der westdeutschen S&T-Film Berlin und der US-amerikanischen Elliott Kastner Productions im großen Stil koproduziert. Wien-Film hoffte mithilfe derartiger internationaler Produktionen und der hochkarätigen Starbesetzung den nahenden Konkurs abzuwenden. Der Film floppte jedoch an den Kinokassen und das Aus der Produktionsfirma im Jahr 1985 stand somit unmittelbar bevor.
 

Die Probeaufnahmen waren ein Geschenk eines langjährigen Freundes und Kollegen an die Sammlung des Filmmuseums und wurden prompt zum (weiteren) Test Case Szenario: Denn im Laufe der Zeit verblassten die Farben des Originals und eine starke monochrome Rotstichigkeit setzte sich durch. Mit dem Ziel die ursprüngliche Farbstimmung wiederherzustellen wurde das Filmmaterial dahingehend als Musterbeispiel genutzt, um die Kapazitäten der hauseigenen, digitalen Restaurierung zu testen und sichtbar zu machen.

In der Hauptrolle die Schauspiel-Ikone Elizabeth Taylor, die im Close-Up ihre Maske mal lächelnd mal ernst in verschiedene Richtungen bewegt und damit die Lichtgestaltung am Set miteinbezieht. Ihr Blick tastet den Bild-Außenraum ab und fokussiert immer wieder die Kamera. Sie spricht kurz mit einer nicht sichtbaren Person, versichert sich ihrer Gesten und öffnet letztlich das Filmbild hin zum imaginären Raum des Kinos – dem sogenannten Off. Die Filmklappe mit verzeichnetem Filmtitel, Regisseur, Szene und Take läutet sogleich den nächsten Screen-Test ein. Taylor ist in einer nun überzeichnet wirkenden Maske zu sehen: Unterbrochen durch einen Riss im Filmkader wird das Make-up schließlich zum Make Up und die Materialität des analogen Filmobjekts umso offensichtlicher ins digital restaurierte Artefakt transformiert.

Lydia Nsiah

Erstmals veröffentlicht auf derStandard.at am 4.7.2015

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